Das bestehende Angebot und seine Inhaltskriterien

Die Informatik ist in den bayerischen Gymnasien in der Unterstufe und – für die Schülerinnen und Schüler der naturwissenschaftlich-technologischen Ausbildungsrichtung – in der Mittelstufe verankert; mit dem verbindlichen Fächerkanon in der 11. Klasse beginnt der Unterricht in der Oberstufe. In der Kursphase der Oberstufe können die Schülerinnen und Schüler der naturwissenschaftlich-technologischen Ausbildungsrichtung in der 12. Jahrgangsstufe Informatik sowohl auf grundlegendem Niveau als auch auf erhöhtem Niveau belegen. Für die Schülerinnen und Schüler anderer Ausbildungsrichtungen ist ein eigenes Kursangebot auf grundlegendem Niveau vorhanden. In der 13. Jahrgangsstufe ist dann eine Belegung auf grundlegendem (für alle Schülerinnen und Schüler) sowie auf erhöhtem Niveau (nur für Schülerinnen und Schüler der naturwissenschaftlich-technologischen Ausbildungsrichtung) möglich. Leider zeigt sich schon jetzt, dass Informatik, obwohl für die Allgemeinbildung unbestritten zentral notwendig, für die Schülerinnen und Schüler nur bedingt wählbar ist, weil Informatik kein Kernfach ist. Hier wäre ein Beschluss der Kultusministerkonferenz schon seit Jahren überfällig.
Die Inhalte des Pflicht- / Wahlpflichtunterrichts versuchen, ein breites Spektrum allgemeinbildender Aspekte abzudecken. Dabei steht natürlich das Verständnis für die Fumnktionsweise von Informatiksystemen im Vordergund, sowohl um ein Verständnis für die Auswirkungen des Einsatzes von Informatiksysmen zu bekommen als auch auf zukünftige Entwicklungen hin vorbereitet zu sein. Eine Produktschulung ("Word-Kurs", "Excel-Kurs", 10-Finger-Teastschreiben etc.) ist hier genau so fehl am Platz wie – auf der anderen Seite – eine Ausbildung von Fachinformatikern. Auf der Seite "Informatik - eine allgemeinbildende Wissenschaft?" ist dieser Fragenkomplex näher ausgeführt. Die konkreten Inhalte sind auf der Seite Unterrichtsangebot dargestellt.

Aufgrund des aktuellen Mangels an Informatiklehrern wird aber Informatik vor allem in der Unterstufe oft noch fachfremd unterrichtet. Auch der Wahlunterricht leidet unter diesem Mangel; insbeosndere für Schülerinnen und Schüler der nicht naturwissenschaftlich-technologischen Zweige ist dies ein starkes Handicap. Die Hoffnung, dass nach der vollstädigen Einführung des G9 der Wahlunterricht wieder seine ursprüngliche Bedeutung erhält, bleibt weiterhin klein, da wegen des Informatiklehrermangels kaum eine Schule dafür Kapazitäten frei haben wird.

Wahlunterricht ist dafür gedacht, dass Inhalte angesprochen werden, die in der Stundentafel keinen Platz mehr haben oder die vom Detail- bzw. Schwierigkeitsgrad über die Inhalte der Stundentafel hinaus gehen. Hier bieten sich also Projekte zu besonderen Aspekten der Informatik an oder Projekte, die deutlich tiefer in bestimmte Bereiche eindringen, als für die Allgemeinbildung nötig. Zielgruppe sind also diejenigen Schülerinnen und Schüler, die ein Stück weit "um die Ecke" schauen wollen.
Da für den Wahlunterricht keine Lehrpläne existieren, ist man in der Wahl der Inhalte sehr frei. Diese Freiheit ist aber gleichzeitig eine große Herausforderung und Verantwortung für den Lehrer. Es genügt nicht, einfach zu sagen: ich biete an was mir Spass macht, wenn genügend Schüler an dem Kurs interessiert sind, ist er auch gerechtfertigt. Für alles, was im entferntesten nach Verwendung des Computers aussieht, melden sich in der Regel immer genügend Schülerinnen und Schüler. Genau so problematisch ist es, die vordergründigen Wünsche Erwachsener nach z. B. schneller Produktschulung unreflektiert zu realiseren. Auch für die Themenauswahl für den Wahlunterricht gilt das oben gesagte; die wengigen möglichen Stunden sind zu kostbar als sie für wenig zielführende Inhalte zu opfern.